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Das Ginkgohaus

Langsam grünt der Ginkgobaum

Von Jürgen Bereiter-Hahn Seite 7 im Heft 5 Minuten Lesezeit

Vor 8 Jahren sollte mit dem Erwerb der Liegenschaft Wido34 eine wichtige Erweiterung des Wohnbereichs der Lebensgemeinschaft Wickersdorf erfolgen. Es wurden Pläne geschmiedet für den Umbau in einen barrierefreien Wohnbereich, der auch für pflegebedürftige Bewohner geeignet ist.

Diese Konzepte wurden mit der zuständigen Abteilung im Landratsamt Saalfeld und dem Landesverwaltungsamt in Meiningen diskutiert. Mit den in Aussicht genommenen Mitteln erwiesen sich jedoch die baulichen Anforderungen an die Umgestaltung von Wido34 als nicht durchführbar, zumal auch längst fällige Sanierungen und Ergänzungen an den Bestandsgebäuden angegangen werden mussten. Architekt Schneider hat dann das Projekt umgeplant und auf den derzeitigen Parkplatz verlagert. Der große Vorteil dieser Verlagerung sind die konsequente Einbeziehung des Neubaus in die Bestandsstruktur und eine wesentliche Verringerung der Kosten. Das Projekt erhielt in Abstimmung von Förderstiftung und Stiftung Lebensgemeinschaft Wickersdorf die Bezeichnung Ginkgohaus und bezieht sich damit auf eine bei altersbedingten Abbauvorgängen im Gehirn wirksame Heilpflanze.

Haiko Jakob und sein Team nutzten die Gelegenheit zu einer Neugestaltung des parkartigen Erscheinungsbildes der Lebensgemeinschaft und zu einer Neuordnung der Verantwortungsstrukturen in den Gruppen. Die Angehörigen der Bewohner erkennen an der Fülle von Veränderungen den Schwung zu einer Erneuerung der Lebensgemeinschaft. Von ihrer Seite wurden auf Anregung von Dr. Pietraß Pflanzungen zur Landschaftsgestaltung beigetragen.

Bei allem Verständnis, dass der demographische Wandel für die Lebensgemeinschaft barrierefreie Wohnbereiche erfordert, überwogen auf Seiten des Landratsamtes die Bedenken zu großer Konkurrenz gegenüber anderen Pflegeeinrichtungen bei der Einwerbung von Betreuungspersonal – einer, wie wir in den vergangenen Monaten schmerzhaft erfuhren, sehr begrenzten Ressource. Diese Probleme ließen die Geschäftsführung, unterstützt durch die Förderstiftung, nicht ruhen, und so sind derzeit Werbemaßnahmen in Arbeit, die Lebensgemeinschaft bei potentiellen Interessenten bekannt zu machen. Wegen der generellen Personalsituation ist die Unterstützung der Neubaupläne der Lebensgemeinschaft seitens des Landratsamtes sehr zögerlich, d. h. die Geschäftsführung ist weitgehend auf sich selbst gestellt bei der Planung, der Finanzierung und den Genehmigungsverfahren. Dies bietet auch Chancen.

Damit werden persönliche Kontakte der Geschäftsführung zu Amtsträgern und Firmen von entscheidender Bedeutung. Nur so überzeugen Ideen für weitere Entwicklungen und initiieren die erforderliche Förderung. Leuchtende Beispiele sind die Umplanung des Gebäudes durch das Architekturbüro Schneider, die Unterstützung für den Neubau der Straßen und der darunterliegenden Versorgungsleitungen der Lebensgemeinschaft sowie die Neuanlage des Parkplatzes durch die STRABAG. Da der bisherige Parkplatz auf dem Gelände der Lebensgemeinschaft zum Baugelände wird, musste ein neuer Parkplatz angelegt werden, gefördert durch den Magistrat der Stadt Saalfeld, der für die Flächenarrondierung etliche Quadratmeter Grund zur Verfügung stellte. Die Förderung der Lebensgemeinschaft durch den Magistrat ist auch durch die stellvertretende Bürgermeisterin Frau Bettina Fiedler als Mitglied im Kuratorium und Herrn Bürgermeister Dr. Steffen Kania gegeben.

Nach intensiven Diskussionen und Anpassungen des Konzepts an die Vorgaben der Denkmalschutzbehörde wurde die Baugenehmigung für das Ginkgohaus gewährt. Der Denkmalschutz betrifft nicht nur die farbliche Eingliederung in die bestehenden Bauten, sondern fordert auch stilistisch die Beschränkung auf im Bestandsbereich vorhandene Formelemente.

Zentrales Problem ist, wie bei vielen Bauvorhaben, die Finanzierung. Es wurden bei mehreren Stiftungen Anträge gestellt, die noch nicht alle entschieden sind. Die persönliche Beteiligung der Angehörigen an der Finanzierung mit 300.000 Euro und der ebenfalls von Angehörigen getragenen Förderstiftung mit bis zu 150.000 Euro wurde von den potentiellen Geldgebern mit viel Anerkennung bedacht. Das änderte aber nichts daran, dass eine Stiftung, von der wir einen größeren Betrag erwartet hatten, entsprechend kürzlich erfolgter Änderungen ihrer Förderpolitik nur ein Sechstel des erhofften Betrages übernimmt. Bei einer weiteren Stiftung wurde der Antrag durch deren Sekretariat versehentlich nicht an das Entscheidungsgremium weitergereicht, und eine weitere Stiftung wird unseren Antrag erst im kommenden Jahr entgegennehmen.

Der Geschäftsführung (Haiko Jakob) gelang es in intensivem Kontakt mit Herrn Daniel Höhn, der sich als Leiter der Sozialbank Erfurt intensiv für die Förderung einsetzte, und unter Einbeziehung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, die Grundfinanzierung von 1 Million über ein staatliches, sehr preisgünstiges Revolvingdarlehen sicherzustellen. Dies allerdings auch in einem aufregenden Schriftverkehr und mit großartiger Unterstützung durch verschiedene Stellen: Ein längst zurückgezahltes Darlehen aus früherer Zeit war im Grundbuch nicht gelöscht worden, es konnte daher kein neues Darlehen im Grundbuch gesichert werden. Nach Klärung der Situation im Rahmen eines Besuchs beim Grundbuchamt konnte die Berichtigung sofort, also nicht erst innerhalb der üblichen langen Zeit, erreicht werden. Somit schienen dann alle Voraussetzungen für die Gewährung des Darlehens erfüllt. Als dann die erste Auszahlung (Übernahme des Architektenhonorars) erfolgen sollte, erwies sich die Bewilligung jedoch immer noch nicht als tragfähig. Das noch nicht begonnene Gebäude musste erst elementar-versichert werden! Groß war die Freude, als dann diese Grundfinanzierung endlich wirksam wurde.

Das ist ein sehr schöner Zwischenerfolg, Grundsteinlegung und ersten Spatenstich konnten wir feiern. Allerdings fehlen noch etliche Euro bis zur Fertigstellung. Daran arbeiten die Lebensgemeinschaft und – in Ergänzung des bisherigen großen finanziellen Engagements – auch die Fördereinrichtungen der Lebensgemeinschaft intensiv und verfolgen mehrere Wege zum Erreichen dieses Ziels.

Text: Jürgen Bereiter-Hahn

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