Zum Auftakt
Vorwort
Im Vorwort der letzten Glocke ging es um das Thema Gemeinschaft: Wie sie entsteht, wie sie wächst und welcher Anstrengungen es bedarf, sie zu erhalten, zu pflegen und weiterzuentwickeln.
Der ehemalige psychologische Berater der englischen Fußball-Nationalmannschaft, Owen Eastwood, arbeitet in diesem Zusammenhang mit dem Begriff „Belonging“ – „Zugehörigkeit“ könnte man im Deutschen sagen. Nur Menschen, die sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen, angenommen in all ihren Stärken und Schwächen, können sich entwickeln, ihr Bestes geben und in ihrem Leben glücklich werden.
In der heutigen Zeit entwickelt sich die Gesellschaft leider in eine andere Richtung: Individualisierung, Rückzug und oft Vereinzelung sind Stichworte, die die aktuelle Tendenz beschreiben. Das Gegenteil von Kommunikation und Interaktion:
Kleine Kinder, die von ihren Eltern mit dem Tablet ruhiggestellt werden, Kinder, die ihre Freizeit in digitalen Spielewelten verbringen, Jugendliche, die einen Großteil ihrer Zeit mit ihrem Smartphone teilen, und Erwachsene, die mehr Zeit mit Social Media als im persönlichen Austausch verbringen. Immer auf der Suche nach dem nächsten kurzen Dopaminausstoß. Die Zeit, die hierbei „verloren“ geht, ist unwiederbringlich und einfach „vertrieben“. Reiner Zeitvertrieb ohne Ziel und vor allem ohne Erfüllung.
Zeit, in der man so leicht etwas anderes machen könnte, das nachhaltig wirkt: einen Turm mit Bauklötzen bauen, barfuß über eine Wiese laufen, ein Instrument üben oder mit einer Freundin spazieren gehen.
Inwieweit dieser gesellschaftliche Trend auch eine Lebensgemeinschaft wie Wickersdorf erreicht hat, vermag ich nicht zu beurteilen – ich bin aber überzeugt davon, dass ein solch besonderer Ort wie Wickersdorf den großen Schatz der persönlichen Begegnung und der gemeinsamen Erlebnisse immer hochhalten wird.
Denn zum Glück ist mittlerweile bekannt, dass dieser gesellschaftliche Trend keine glücklichen Menschen hervorbringt: Jugendliche, die zwei Stunden vor dem Bildschirm saßen, sind danach oft gereizt und unzufrieden. Jugendliche, die zwei Stunden gemeinsam Fußball gespielt haben, ausgeglichen und glücklich. So banal diese Erkenntnis erscheinen mag – gelebt wird sie immer weniger. Dabei ist dieses Phänomen wissenschaftlich längst belegt.
Miteinander verbrachte Zeit, gemeinsame Erlebnisse und die Anleitung und Begleitung von Aktionen wie Musik, Sport, Ausflügen u. v. m. machen heute umso mehr den Unterschied – sei es zu Hause, im Freundeskreis, auf der Arbeit oder in Wickersdorf. Auch wenn die Überwindung der eigenen Bequemlichkeit dem gelegentlich entgegenstehen mag.
Wickersdorf ist ein Ort, der genuine Erlebnisse in besonderem Maße ermöglicht und an dem sich Betreute und Betreuende als Teil einer identitätsstiftenden Gemeinschaft fühlen dürfen.
Dies zu erhalten und, wo erforderlich, zu entwickeln, ist unser aller erfüllende Aufgabe.
Für die Förderstiftung im Juni 2026
Text: Maike Häusler
In Leichter Sprache
Gemeinschaft ist wichtig
Menschen brauchen Gemeinschaft.
Das bedeutet: Menschen wollen dazu-gehören.
Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen.
In einer guten Gemeinschaft wird jeder so angenommen, wie er ist.
Nur dann können Menschen sich gut entwickeln und glücklich sein.
Aber heute sind viele Menschen oft allein.
Kinder spielen viel am Tablet.
Jugendliche schauen viel auf ihr Handy.
Erwachsene verbringen viel Zeit im Internet.
Diese Zeit ist verloren.
Das macht Menschen nicht glücklich.
Gemeinsame Zeit macht Menschen glücklich.
Zum Beispiel: zusammen Fußball spielen, Musik machen oder spazieren gehen.
Wickersdorf ist ein besonderer Ort.
Hier erleben die Menschen viel gemeinsam.
Alle gehören zur Gemeinschaft dazu.
Diese Gemeinschaft wollen wir zusammen erhalten und pflegen.
